<< voriges | start | nächstes >>

momente

23.03.10

ramblin' woman (part 1)

ramblin_woman_opt.jpgmitten in australien. nun gut, vielleicht nicht in inmitten australiens. eher an der küste. der ostküste. der dichter besiedelten. aber dennoch inland. das meer nicht weit entfernt. dort erstmals zur ruhe gekommen. sich vom klang des ozeans berauschen lassen. beruhigen. die seele nachkommen lassen. zu schnell. zu viel. dennoch glücklich. glücklich, den schritt gewagt zu haben. zunächst einen monat auszeit. quer durch kambodscha. begonnen mit einem flug nach bangkok. von dort aus weiter. im bus, am boot, am pickup. backpack und plastiksandalen. elefanteninsel und taifun. von bangkok nach battambang. könnten kaum unterschiedlicher sein. megacity versus dschungeltown. kambodscha ist mein land, dort werde ich ruhig. dort zieht es mich immer wieder hin. dort beschlossen, weiterzureisen. die situation des alltäglichen lebens zu verändern. spontan. oder eigentlich schon seit monaten, vielleicht jahren innerlich gespürt, den wunsch wachsen lassen.
doch zunächst zurück. von job, wohnung, möbel, bücher, lieblingskaffeemaschinen und gefüllten kleiderkästen befreien. versicherungen, verträge kündigen. soviel freiheit kann auf einmal angst machen. thrill. und spüren, dass man nun einfach springen muss. der geist hat sich schon zu weit von den gewohnten, sicheren wegen entfernt. bittersweet. auf nach australien. oneway ticket. ohne lonley planet. ohne plan. drei monate, vielleicht länger. zunächst ein wenig herb. österreich, kambodscha, österreich, australien. und das alles innerhalb eines sommers. mit der vorausplanung eines wochenendtrips. liebst du asien, gib australien zeit. liebst du nichtwestliches, gib australien zeit. weg vom meer, entfernt von der küste, den touristen, die hier, je näher weihnachten rückt, immer intensiver an die ostküste strömen. von sydney in richtung norden. richtung surfers paradise, das den glanz, die aura vergangener tage, längst verspielt hat. nur noch der name klingt bezaubernd. doch nun ab ins hinterland. kaffeefarm. arbeiten gegen freie kost und logie. biofarm später. sanfte hügel, flüsschen, grüne wiesen, bekannte vegetation und doch ganz fremdartig. die stimmung entspannt. "organic" hier überall. freilaufende hühner, macademiabäume, kaffeefelder, avocados und orangen zum selberpflücken. auffallend viele hippies. keine plastiktüten in den läden und bio-soyamilch überall. organic mal mehr, mal weniger streng. barfuss zum supermarkt laufen. mitte november. alleine deswegen hat sich die reise ausgezahlt. anfang dezember immer noch mit sand zwischen den zehen an der kassa stehen und mit der kassiererin plaudern, statt glühwein und schneeregen in wien. man findet ruhige plätze hier. koalas in den bäumen am straßenrand. wallabies und kangaroos am morgen im garten. die python oder wie sie hier heisst "marblesnake" gehört beinahe zu jedem haushalt. henry, die riesige spinne, die jedem duchschnittseuropäer das blut in den adern gefrieren lassen würde, macht es sich wie immer in der gardine des wohnzimmers gemütlich. man gewöhnt sich an alles. täglich schallt der klang des weckers unbarmherzig um sechs uhr morgens durch das kleine, einfache zimmer. ein bett, ein tisch. eine scheibe toast, eine tasse starker kaffee. wasserflasche und strohhut in der hand und auf geht's in richtung feldarbeit. bereits um diese uhrzeit wird es heiß. mit dem "4wd" und nebenher rennenden hunden, vorbei an kaffeesträuchern und hühnerstall zum gemüsefeld. unkraut rupfen, stundenlang. tomaten setzen, paprika und schalotten pflanzen, karotten, koriander und basilikum, rote rüben und eine rübe namens turner ernten. hab sie doch glatt william genannt. ja, man braucht eselsbrücken um sieben uhr morgens bei 40 grad. arbeiten bis die sonne am höchsten punkt steht. der schweiss fliesst aus allen poren. soviel erde unter den fingernägeln, dass es schmerzt. dennoch fühlt es sich gut an. nach dem kleinen happen zu mittag, mehr ist in dieser hitze nicht möglich, werden die hühnereier gesammelt, gewaschen, gewogen und in die passenden kartons sortiert. organic. alles bio. verdammt viel arbeit für ein wenig gemüse, eier und kaffee. jeden donnerstagmorgen am markt verkauft. heute war markttag. arbeiten seit fünf uhr früh. doch markttage sind mir die liebsten. das alles gegen freie kost und logie. zehn tage bin ich schon hier. zwei wochen werden es werden. und dann ab nach koonorigan. nimbin area. hinterland new south wales. freunde kennen gelernt. altes holzhaus inmitten von hügeln. schlafen auf der veranda. aufwachen, um den sonnenaufgang zu betrachten. gedanken ziehen zu lassen. und wieder einzuschlafen. blick auf die great dividing range. selbst gebastelte flugzeuge fliegen lassen. am abend die koalas belauschen, auf der veranda sitzen, über das leben philosophieren, rotwein trinken, in den sternenhimmel blicken und das southern cross entdecken. dann nach sydney zurück. zu beginn, vor beinahe drei monaten, zehn tage regen. mal sehen, wie es nun wird. kontrast, sydney pulsiert. multinational. laut, bunt, positiv, selbstverliebt, geschäftigt. von dort ein flug nach christchurch. new zealand. south island. jahreskonferenz der anthropologen. in picton. die berühmte weingegend marlbourogh sounds. und auf einmal wird es mitte dezember sein und ich befinde mich auf der anderen seite der weltkugel. ich glaube, ich habe mir nichts sehnlicher gewünscht ...  text: laura ari